Über Disney, die Umwelt und Zootool, ein Interview mit Bastian Allgeier

Mit 28 Jahren ist Bastian Allgeier gerade dabei ein großes Webprojekt in die Höhe zu ziehen. Es geht dabei um die Webapp Zootool, welche Fundstücke aus dem Web (Fotos von flickr, Youtube Videos, Websites...) in eine Übersicht (den Zoo) packt und mit Hilfe von Tags und Beschreibung sortiert. Ich konnte im Interview mit Bastian mehr über seinen Weg zu dem Projekt Zootool erfahren. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!
(Falls ihr nicht wisst was Zootool kann, schaut euch zuerst das Review am Ende des Interviews an!)
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Wie sieht dein aktuelles Mac Setup aus?
Ich arbeite ausschließlich an einem 15" MacBook Pro – leider noch kein Unibody – ohne externen Bildschirm und ohne Maus. Ich finde es super nur ein einziges Gerät zu haben und damit so ultra flexibel zu sein. Unter meinem Schreibtisch steht noch ein alter G5, der leider total einstaubt und nur ne Art Notfallrechner ist. Für Backups hab ich zusätzlich mehrere externe Festplatten.
Welche Applikationen hast du während eines normalen Arbeitstages immer offen?
SubEthaEdit, Safari, Transmit, Photoshop, Fever, Mail, Sequel Pro, Nambu – wobei ich dafür dringend nach Ersatz suche und meistens das Terminal.
Was hat deine Entscheidung Designer zu werden und die Programmiersprachen zu lernen beeinflusst?
Bevor ich angefangen habe Grafikdesign, bzw. Kommunikationsdesign zu studieren sah meine Berufswunschliste während der Schulzeit ca. so aus: Zeichner bei Disney, Regisseur, Musiker, irgendwas mit 3D. Kommunikationsdesign war dann irgendwie der optimale Kompromiss. Zum Webdesign und zur Programmierung bin ich durch ein Praktikum vor dem Studium gekommen und damit hatte sich dann recht schnell der Wunschzettel erübrigt, weil sich da für mich ne ganz neue Welt aufgetan hat. Es gibt immer noch relativ wenige, die gleichzeitig versuchen den Designpart und die Programmierung abzudecken, aber wenn man sich da reinfuchst ergänzt sich das extrem gut.
Wo hast du dein Praktikum gemacht, welches dich so beeinflusste?
Beim Forest Stewardship Council – einer Umweltorganisation, die sich für den Erhalt der Wälder einsetzt. Klingt erstmal völlig ungrafisch und das war's eigentlich auch. Ich war dort in der davor nicht existenten Grafikabteilung – ich war sozusagen die Grafikabteilung und durfte einfach alles machen: Messestand-Design, Brochüren, Anzeigen, Geschäftsberichte und eben auch die Webseite. Einen perfekteren Einstieg kann ich mir im Nachhinein nicht vorstellen, auch wenn das teilweise natürlich weit davon entfernt war professionell zu sein.
Wo findest du Ideen und Anregungen für deine Projekte? Liest du bestimmte Blogs, Magazine oder Bücher?
Hauptquellen sind auf jeden Fall RSS-Feeds, Twitter und natürlich Zootool. Es ist schon krass, wieviel Input man Tag für Tag über das Netz bekommt. Blogs, die ich empfehlen kann sind definitiv swiss-miss.com, Jon Hicks' Journal oder einfach alles, was Shaun Inman so zusammenbraut. Was Magazine angeht, hatte ich ne Weile mal die Page abonniert, aber am Ende kaum noch gelesen. Super ist auch das Smashing Book geworden – das kann ich nur jedem ans Herz legen.
Ich habe gehört, dass Zootool zuerst ein Studentenprojekt war. Erzähle mir bitte mehr über die Entstehung von Zootool!
Mit Zootool hab ich 2007 als Bachelorarbeit an der HS Mannheim angefangen. Die ursprüngliche Idee war, für Designer eine Art Bürotool im Netz zu entwickeln, mit dem man die üblichen Freelancer-Aufgaben einfacher lösen kann (Todolisten, Rechnungen, Stundenzettel, etc.) Unter anderem gab es auch ne kleine Moodboardfunktion, mit der man alles mögliche aus dem Netz zusammensammeln konnte. Irgendwie wurde der Teil immer ausführlicher und die anderen Funktionen immer langweiliger und nach ca. einem Monat hab ich alles über den Haufen geworfen und mich dazu entschieden aus Zootool das zu machen, was es jetzt ist und die blöde Bürotool-Idee in die Tonne zu treten. Nach der Bachelorarbeit hab ich dann zusammen mit Habu, der mein betreuender Professor war und mittlerweile ein guter Freund von mir ist, ne private Beta gestartet und im Juli 2008 Zootool öffentlich gemacht. Irgendwie haben wir's aber nie geschafft richtig Werbung dafür zu machen und so richtig zufrieden war ich mit der ersten Version auch nicht. Während der Masterarbeit ist im letzten Jahr dann die neue Version entstanden, die am 15. Januar online ging und die in unseren Augen einen riesigen Sprung nach vorne macht. Außerdem ist jetzt nach dem Studium auch endlich Zeit, sich richtig um das Marketing zu kümmern.
Was unterscheidet Zootool von zum Beispiel Ember?
Zootool ist ein visuelles Bookmark Tool und meiner Meinung nach viel mehr mit Delicious zu vergleichen auch wenn's natürlich ganz andere Wege geht. Ember und LittleSnapper sind absolut genial, um Screenshots zu machen und zu speichern. Ich benutze LittleSnapper jeden Tag. Für mich überschneidet sich da wenig. Zootool hat keine Screenshotfunktion und ist auch nicht so gedacht. Dafür ist es genial, um zum Beispiel ne Web-Videosammlung anzulegen – wir unterstützen mittlerweile über 30 Videoplattformen – oder interessante Bilder und Webseiten zu bookmarken. Auch die Anbindung an Wikipedia, Slideshare oder Scribd und die Möglichkeit PDFs und RSS-Feeds zu speichern machen es als Bookmarktool in meinen Augen ziemlich außergewöhnlich.
Glaubst du Zootool wird eine „Marktlücke“ füllen und viele Menschen ansprechen? Gibt es eine bestimmte Gruppe an Personen, die du mit Zootool ansprechen möchtest?
Ich bin an Zootool marketingtechnisch gesehen wahrscheinlich sehr unklug ran gegangen und wollte einfach nur ein Tool entwickeln, dass ich persönlich schon immer haben wollte. (als Student kann man sowas ja noch tun). Dass es immer mehr Leute gibt, die es nützlich finden ist natürlich super. Wenn ich eine Zielgruppe definieren müsste dann wären das Designer, Fotografen, Journalisten, Architekten – also hauptsächlich visuell orientierte Menschen – oder einfach nur Webfreaks.
Wie sieht die Zukunft von Zootool aus? Wird es eine native App fürs iPhone geben?
Obwohl die neue Version noch gar nicht lange draussen ist, gibt es schon wieder eine ziemlich lange Liste mit Plänen. Vor ein paar Tagen hab ich erst ne Facebook Integration nachgerüstet, mit der man Inhalte jetzt direkt bei Facebook posten kann. Die meisten Pläne verrat ich natürlich jetzt noch nicht, aber das native iPhone App gehört auf jeden Fall dazu.
Die letzte Frage: Was sind denn so deine eigenen Wünsche für 2010, vor allem in Sachen Web und Apple?
In Sachen Web wünsche ich mir weniger Social Media Experten und Marketing Gurus, die bei Twitter 9.876 Leuten followen und nur 34 Follower haben und in Sachen Apple wünsche ich mir austauschbare Akkus für die Unibody MacBooks und das iPhone :)
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Kurzreview von Zootool
Jeder kann kostenlos bei Zootool seinen "Zoo" eröffnen und dort viele Tiere Webfundstücke ausstellen, die man im Web mit dem
Lasso Lesezeichenzusatz eingefangen hat.
Zootool wurde geschaffen um tolle Bilder, Videos, Dokumente oder Websites zu dokumentieren und für alle sichtbar zu machen. So kann man in den Zoo von Dennis schauen und dort seine Bilder/Videos/Websiten entdecken, die ihm besonders gefallen. Jeder hat seine eigene Sammlung und kann die von seinen Freunden besichtigen. Neue Exponate Fundstücke werden mit Tags, Beschreibung und Links in den Zoo integriert.
Mein persönlicher Eindruck: Hier entdeckt man viele neue Sachen im Web, kann seine Favoriten super verwalten und wird überall von einer staunenswert Optik begleitet. Für mich das beste Web 2.0 Projekt 2010.
Wer sich nicht gleich anmelden möchte, kann einen Einblick über den Screencast gewinnen:
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Zeigt euren Zoo!
Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr euren Account bei Zootool in die Kommentare schreibt. So können alle Leser von macmylife euch folgen und wenn genügen zusammen kommen, erstelle ich eine Liste mit allen "Zoos".

Von der MacMyLife Redaktion sind zwei bei zootool:
Dennis: http://zootool.com/user/dennisharbich/
David: http://zootool.com/user/davidlampe/
Mein Zoo: http://zootool.com/user/habu
Danke für den Tipp, David.
Zootool ist klasse! ;)